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Ich bin Linkshänderin. Die Linkshändigkeit wird in meiner Familie über die mütterliche Linie vererbt.
Meine Großmutter ist Linkshänderin, meine Mutter ist Linkshänderin, und ich bin Linkshänderin. Meine Schwester - sie ist jünger als ich - ist Rechtshänderin. Ich tue viele Dinge mit Links. Nicht alle, aber die meisten. Bis ich etwa 13 Jahre alt war, habe ich allerdings mit der rechten Hand geschrieben. Etwa zu diesem Zeitpunkt begann ich, ein "Problembewusstsein" für Links- und Rechtshändigkeit zu entwickeln; ich vermute, durch entsprechende Berichte in der Presse. Es wurde z.B. gesagt, dass die Umschulung auf die rechte Hand zu psychischen Störungen führen könnte. Obwohl meine Mutter selbst Linkshänderin ist, wurde ich stets dazu angehalten, zum Schreiben die rechte Hand zu benutzen. Die üblichen Argumente, z.B. dass ich sonst das Geschriebene wieder verwischen würde, wurden dazu angeführt. Ein regelrechter Zwang hat allerdings nicht stattgefunden; ich wurde nicht mit gewaltsamen Methoden wie z.B. Schlägen oder Festbinden der linken Hand dazu gebracht. Ich war etwa in der 7. Klasse, als ich beschloss, zukünftig mit der linken Hand zu schreiben. Der Anfang war nicht so leicht, obwohl ich natürlich immer schon auch mit der linken Hand schreiben konnte, aber die Übung fehlte eben. Im Englischunterricht schrieb ich dann die erste Klausur komplett mit der linken Hand. Naturgemäß sah die Schrift krakeliger aus. Meine Lehrerin fragte mich dann im Kommentar, den sie immer unter die Arbeiten drunterschrieb, was denn mit meiner Schrift los wäre. Das war aber auch schon die einzige Reaktion, an die ich mich erinnern kann. Meine Handschrift ist noch nie besonders schön gewesen, weder mit rechts, und auch mit links nicht. Als es in der Grundschule und zu Beginn des Gymnasiums noch Noten für die Schrift gab, hatte ich meist eine Vier. Ich hegte die Hoffnung, dass meine Schrift besser werden würde, wenn ich mit der mir natürlicheren, linken Hand schrieb. Leider erfüllte sich das nicht. ;-) Um es anderen Leuten wenigstens etwas leichter zu machen, meine Schrift zu lesen, habe ich mir angewöhnt, eine Mischung aus Druck- und Schreibschrift zu benutzen. Die einzelnen Buchstaben selbst sind eher Schreibschrift, aber eine schlichte Form, und ich verbinde die einzelnen Buchstaben nicht, bis auf häufig vorkommende Buchstabenkombinationen. Die meisten Leute - Rechtshänder - empfinden die Schrift von Linkshändern als häßlich. Was ihnen dabei meist nicht bewusst ist, ist, dass sie nicht die Buchstaben an sich als häßlich empfinden. Es ist die Ausrichtung der Buchstaben, die ihnen Probleme macht. Die meisten Linkshänder schreiben so, dass die Buchstaben nach links "fallen", während es bei Rechtshändern naturgemäß andersherum ist. Fallrichtung der Buchstaben bei Rechtshändern: / Fallrichtung der Buchstaben bei Linkshändern: \ Das Schriftbild sieht dadurch sehr ungewohnt aus, und wirkt auf den ersten Blick "unordentlicher". Klar, dass wir Linkshänder das nicht so empfinden ;-) Was mir persönlich immer am meisten auf die Nerven geht, sind die rücksichtslosen Mißfallensbekundungen von Rechtshändern, wenn sie sehen, wie ich schreibe. "Ih, das sieht ja schrecklich aus!" ist da noch ein eher harmloser Ausruf. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell die einfachsten Regeln von Anstand und Höflichkeit vergessen werden, wenn Menschen mit neuen Situationen konfrontiert werden... ;-) Ich habe den Eindruck, dass so etwas früher öfter vorkam als heute. Vielleicht hat durch die zunehmende Liberalisierung hier eine gewisse Gewöhnung eingesetzt. Heute ist es meistens sogar so, dass es vielen Leuten gar nicht aufzufallen scheint, dass ich Linkshänderin bin. Ein ehemaliger Kollege saß mir bereits ein Jahr lang am Schreibtisch gegenüber, und war erstaunt, als ich eines Tages erwähnte, dass ich Linkshänderin bin. Ihm sei das nie aufgefallen. Es ist aber natürlich auch so, dass man als Betroffener eher auf diesen Punkt achtet. Im normalen Leben spielt dieses Thema sonst keine große Rolle. Was mir ab und zu auffällt, ist, dass das Element der Linkshändigkeit manchmal in Krimis eingesetzt wird; hier ist oft der Täter Linkshänder. Das würde ich allerdings nicht als bösen Willen der vorurteilsbeladenen Autoren deuten, sondern eher als Einfallslosigkeit, weil einem sonst kein unterscheidbares Merkmal eingefallen ist, anhand dessen man den Täter überführen könnte. Schliesslich sind die Bösen ja immer "anders", nicht wahr? ;-) Weiter oben habe ich gesagt, dass die meisten Linkshänder beidhändig schreiben können, auch ohne dies groß üben zu müssen. In einer "rechtsgerichteten" Umwelt bleibt einem als Linkshänder nicht viel anderes übrig, als quasi beidhändig zu werden. Ich beobachte z.B. immer wieder, dass Rechtshänder in der Regel nicht mit Scheren für Linkshändern umgehen können, wohingegen die meisten Linkshänder damit weniger Probleme zu haben scheinen. Deswegen kann ich die Behauptung vieler Rechtshänder, mit Linkshänder-Gegenständen nicht umgehen zu können, nicht wirklich ernst nehmen. Denn jeder Linkshänder ist das lebende Gegenbeispiel, dass man es kann, wenn man es nur wollte - oder muß. |
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Letzte Aktualisierung: 14.04.2004 - Impressum + Kontakt
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